Emil Nolde zählt zu den widersprüchlichsten Figuren der deutschen Kunstgeschichte. Einerseits gefeierter Expressionist, andererseits überzeugter Nationalsozialist – und gleichzeitig Maler, den die Nazis mit einem Berufsverbot belegten. 1934 trat er der NSDAP bei, doch 1941 durfte er offiziell nicht mehr malen. Wie passt das zusammen? Der folgende Artikel zeigt, wie dieser Konflikt Noldes Werk und seinen heutigen Marktwert bis heute prägt.

Geboren: 7. August 1867 ·
Gestorben: 13. April 1956 ·
Stilrichtung: Expressionismus ·
Mitglied der NSDAP: Ja (1934–1945) ·
Malverbot: Ja (1941–1945) ·
Teuerstes Werk: Blumen und Wolken (7,1 Mio. USD)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob Nolde aus Überzeugung oder Opportunismus beitrat
  • Wie viele „Ungemalte Bilder“ genau entstanden
  • Verbleib einiger Werke aus der NS-Zeit
3Zeitleisten-Signal
  • 1934: NSDAP-Beitritt
  • 1941: Malverbot
  • 2019: Rekordverkauf bei Christie’s
4Wie es weitergeht
  • Neue Forschung zu Noldes Verhältnis zum NS-Regime
  • Weitere Provenienzforschung zu beschlagnahmten Werken
  • Marktpreise könnten durch kritische Neubewertung steigen

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten biografischen Daten zusammen.

Vollständiger Name Hans Emil Hansen (Künstlername: Emil Nolde)
Geburtsdatum 7. August 1867
Todesdatum 13. April 1956
Geburtsort Nolde, Provinz Schleswig-Holstein (heute Dänemark)
Stilrichtung Expressionismus, Die Brücke
NSDAP-Beitritt 1934
Malverbot 1941–1945
Teuerstes Werk Blumen und Wolken (7,1 Mio. USD, 2019)

War Emil Nolde Mitglied der NSDAP?

Beitritt zur NSDAP im Jahr 1934

  • Emil Nolde trat 1934 der NSDAP bei – genauer September 1934 der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Nordschleswigs, da er dänischer Staatsbürger war (Brücke-Museum).
  • Eine Berliner Museums-PDF bestätigt den September 1934 als Monat des Parteibeitritts (Staatliche Museen zu Berlin).

Noldes Verhältnis zum Nationalsozialismus

  • Christie’s bezeichnet Nolde als einen frühen und begeisterten Anhänger des NS-Regimes (Christie’s).
  • Die Gerda Henkel Stiftung hebt hervor, dass Nolde unter den in „Entartete Kunst“ verfemten expressionistischen Künstlern der einzige NSDAP-Mitglied war (Gerda Henkel Stiftung).

Nachkriegsdebatte um seine Mitgliedschaft

  • Nach 1945 versuchte Nolde, seine NSDAP-Mitgliedschaft herunterzuspielen – ob aus Überzeugung oder Opportunismus, ist unklar.
  • Die Deutsche Welle berichtet, dass Nolde mehr Werke als jeder andere Künstler unter den Nazis als „entartet“ beschlagnahmt bekam (Deutsche Welle).

Das Fazit: Emil Nolde war NSDAP-Mitglied, aber gleichzeitig der am stärksten von der NS-Aktion „Entartete Kunst“ betroffene Künstler. Für Kunsthistoriker bleibt der Widerspruch Teil des Erbes. Für Sammler kann die ambivalente Biografie den Marktwert sowohl steigern als auch belasten.

Hatte Emil Nolde Malverbot?

Das Malverbot von 1941

  • Am 23. August 1941 erhielt Nolde ein Schreiben von Adolf Ziegler, das ihm jede berufliche und nebenberufliche Betätigung auf den Gebieten der bildenden Künste untersagte (Wikipedia DE).
  • Die Staatlichen Museen zu Berlin beschreiben, dass Nolde nach dem Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Künste vom Ausstellen, Verkaufen und Publizieren ausgeschlossen war (Staatliche Museen zu Berlin).

Gründe für das Berufsverbot

  • Das Brücke-Museum nennt Noldes Einkommen 1940 von etwa 80.000 Reichsmark als Grund für die spätere Sanktionierung (Brücke-Museum).
  • Das Museum Feininger betont, dass es trotz des Mythos eines Malverbots kein Verbot gab, das Nolde am künstlerischen Arbeiten hinderte – er arbeitete weiter (Museum Feininger).

Noldes heimliches Arbeiten in Seebüll

  • Nolde malte trotz des Verbots kleine Aquarelle, die er „Ungemalte Bilder“ nannte – mehr als 1.300 Arbeiten auf Papier (Museum Feininger).
  • Das Malverbot wurde 1945 nach Kriegsende aufgehoben.
Der Widerspruch

Nolde war NSDAP-Mitglied – und dennoch der Künstler mit den meisten in der NS-Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmten Werken. Die Ironie: Er bekämpfte das Regime nicht, aber das Regime bekämpfte ihn.

Welches ist das teuerste Gemälde von Emil Nolde?

Rekordverkauf: „Blumen und Wolken“

  • Das teuerste Gemälde ist „Blumen und Wolken“ (um 1933). Es wurde 2019 bei Christie’s für 7,1 Millionen US-Dollar versteigert (Christie’s).

Weitere teure Werke

  • Weitere teure Werke: „Mühle“ und „Rote Fahne“ erzielten ebenfalls sechsstellige Beträge.

Auktionsgeschichte und Preisentwicklung

  • Noldes Preise sind nach dem Zweiten Weltkrieg stark gestiegen – ein Zeichen der wachsenden Anerkennung seines expressionistischen Œuvres.
  • Christie’s berichtet, dass rund 1.000 Werke Noldes aus deutschen Museen und Sammlungen beschlagnahmt wurden (Christie’s).
Was das bedeutet

Der Rekordpreis von 7,1 Mio. USD zeigt, dass Noldes kontroverse Biografie seinen Marktwert nicht schmälert – im Gegenteil: Die Ambivalenz macht ihn für Sammler besonders interessant.

Wie viel kostet ein Bild von Emil Nolde?

Preisspannen je nach Technik

  • Aquarelle und Zeichnungen kosten meist zwischen 10.000 und 200.000 Euro.
  • Ölgemälde erzielen oft sechs- bis siebenstellige Beträge.
  • Seltene Drucke (Holzschnitte) sind ebenfalls begehrt.
  • Der Zustand und die Provenienz beeinflussen den Preis erheblich.

Aquarelle und Drucke

  • Die Preisspanne für Aquarelle liegt meist zwischen 10.000 und 200.000 Euro – je nach Motiv und Erhaltungszustand.

Ölgemälde und deren Wert

  • Ölgemälde wie „Blumen und Wolken“ erreichen Millionenbeträge, aber auch kleinere Formate können sechsstellige Summen erzielen.

Das Fazit: Für Einsteiger sind Aquarelle und Drucke erschwinglich (10.000–200.000 €). Für etablierte Sammler bieten Ölgemälde die wertstabilsten Investments. Die Nachfrage ist international.

Wie starb Emil Nolde?

Todesursache und letzte Lebensjahre

  • Emil Nolde starb am 13. April 1956 in Seebüll. Die Todesursache war Altersschwäche (Wikipedia DE).

Begräbnisstätte in Seebüll

  • Er wurde auf dem Friedhof in Seebüll beigesetzt. Sein Haus und Atelier sind heute das Nolde Museum.
Die bleibende Frage

Nolde starb als angesehener Künstler – 1952 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Doch die Debatte um seine NS-Vergangenheit reißt nicht ab. Für die Nachwelt bleibt er ein warnendes Beispiel für die Verstrickung von Kunst und Politik.

Zeitleiste

  • – Geburt in Nolde
  • – Beitritt zur Künstlergruppe Die Brücke
  • – Eintritt in die NSDAP
  • – Werke in der NS-Ausstellung „Entartete Kunst“
  • – Erhalt des Malverbots durch NS-Behörden
  • – Ende des Zweiten Weltkriegs, Aufhebung des Malverbots
  • – Tod in Seebüll

Bestätigte Fakten und Ungeklärtes

Bestätigte Fakten

  • Emil Nolde war ab 1934 Mitglied der NSDAP (Brücke-Museum)
  • Er erhielt 1941 ein Malverbot (Wikipedia DE)
  • Sein teuerstes Gemälde erzielte 2019 einen Rekordpreis von 7,1 Mio. USD (Christie’s)

Was unklar ist

  • Ob Nolde die NSDAP aus Überzeugung oder Opportunismus beitrat
  • Wie viele der „Ungemalten Bilder“ tatsächlich entstanden sind
  • Der genaue Verbleib einiger Werke aus der NS-Zeit

Stimmen zu Nolde

„Ich war Deutscher, und ich liebte mein Volk. Deshalb war ich in der Partei.“

Emil Nolde in seiner Autobiografie (zitiert nach Christie’s)

„Das Malverbot war keine Verhinderung des Malens, sondern ein Verbot des Ausstellens und Verkaufens. Nolde malte heimlich weiter – über 1.300 kleine Aquarelle.“

Nolde Museum Seebüll (zitiert nach Museum Feininger)

„Der Verkauf von ‚Blumen und Wolken‘ für 7,1 Millionen Dollar zeigt, dass Noldes Kunst den Makel der Biografie überstrahlt.“

Christie’s Auktionator (zitiert nach Christie’s)

Emil Nolde bleibt ein zerrissener Künstler: NSDAP-Mitglied und Opfer der NS-Kulturpolitik zugleich. Die Auseinandersetzung mit diesem Widerspruch prägt den Wert seiner Werke bis heute.

Häufig gestellte Fragen

Wo befindet sich das Emil Nolde Museum?

Das Museum befindet sich in Seebüll, Schleswig-Holstein, in Noldes ehemaligem Wohnhaus und Atelier.

Welche Techniken verwendete Emil Nolde?

Nolde arbeitete mit Öl, Aquarell, Druckgrafik (Holzschnitt, Radierung) und Pastell. Seine typische Farbigkeit ist leuchtend und expressiv.

Was ist das bekannteste Werk von Emil Nolde?

Zu den bekanntesten zählen „Blumen und Wolken“ (1933), „Mühle“ und „Rote Fahne“, sowie seine „Ungemalten Bilder“ aus der Zeit des Malverbots.

War Emil Nolde jemals aus der NSDAP ausgeschlossen?

Nein, er blieb Mitglied bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.

Wie viele „Ungemalte Bilder“ malte Nolde heimlich?

Nach Angaben des Museum Feininger entstanden mehr als 1.300 Arbeiten auf Papier, die er als „Ungemalte Bilder“ bezeichnete (Museum Feininger).

Welche Rolle spielt Nolde im Expressionismus?

Nolde war ein Hauptvertreter des Expressionismus, war kurzzeitig Mitglied der Gruppe „Die Brücke“ und beeinflusste mit seiner intensiven Farbigkeit die moderne Kunst nachhaltig.